Warum LKW-Maut den Verkehr nicht verringert

LKW-Maut auf der B252 ist erforderlich, verringert aber das Verkehrsaufkommen nur marginal.

 

maut3

 

Maut bedeutet erstmal, dass eine Durchfahrt kostenpflichtig ist.

 

 

Warum wird eine Maut bzw. Durchfahrtsgebühr erhoben?

Es gibt im Wesentlichen zwei Gründe, die zu einer Mauterhebung führen können:

  • Mauterhebung zur Finanzierung des Unterhalts bestehender und zum Bau neuer Strecken. Es ist auch eine Querfinanzierung denkbar, nämlich dann wenn die Mauteinnahmen anderen Zwecken als dem Straßenerhalt bzw. Neubau dienen. Es handelt sich dann um eine Art von Besteuerung. Ziel ist es, möglichst viel Geld einzunehmen und dabei gleichzeitig das Verkehrsaufkommen möglichst nicht allzu stark zu behindern.
  • Maut wird mancherorts auch erhoben um das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Diese Art von Maut wird oft in Metropolen eingesetzt, deren bestehende Infrastruktur den normalerweise anfallenden Verkehr nicht mehr aufnehmen kann. Durch Mautregelungen soll das Verkehrsaufkommen auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Diese Art von Maut ist auch unter dem Begriff ‚citymaut‘ oder ‚Innenstadtmaut‘ bekannt. Wir finden eine ‚Innenstadtmaut‘ z.B. in London , Stockholm, Göteburg, Mailand und in weiteren Städten:

Während eine Citymaut tatsächlich das Verkehrsaufkommen verringern kann, so ist dies z.B. bei der deutschen LKW-Maut nicht der Fall. Ziel der LKW-Maut ist es hierzulande, den Straßenerhalt finanzieren zu können. In geringem Maße wird auch ein Neubau von Straßen mitfinanziert. Es ist gerade nicht das Ziel, Transporte zu verhindern um somit die Wirtschaft zu schwächen.

Das stärkste Argument, das seinerzeit zur Einführung einer LKW-Maut in Deutschland geführt hatte, war, dass dann alle wirklich fahrenden LKWs zahlen müssen, während der stehende Verkehr nicht zusätzlich belastet wird. Alle LKW, die die Straßen benutzen, also auch (z.B. in Deutschland nicht steuerpflichtige) ausländische LKW sollen zur Finanzierung der Infrastruktur beitragen. Dieses Ziel wurde (nachdem anfängliche Schwierigkeiten überwunden werden konnten) deutlich erreicht.

Eindeutig nicht im Fokus der Mauterhebung für LKW stand und steht der Gedanke, den LKW-Verkehr zu behindern geschweige denn zu verhindern.

 

Sogenannte Mautflüchtlinge

Im Transportgewerbe ist man selbstverständlich daran interessiert, durch möglichst geringe Kosten entsprechend wettbewerbsfähig zu sein. Insofern nichts Neues, was nicht für alle anderen Branchen auch gilt.

Wo liegen die Kostenfaktoren im Transportgewerbe?

  1.  Arbeitszeit der LKW-Fahrer
  2.  Betriebskosten der Fahrzeuge (Treibstoff, Wartung)
  3.  Abschreibung der Fahrzeuge
  4.  Laufende Fixkosten (Steuern, Abgaben)
  5.  Streckenbezogene Abgaben wie z.B. Maut
  6.  Weitere Kostenfaktoren

Gespräche mit Disponenten und Softwareentwicklern in der Logistikbranche haben ergeben, dass vor allem die Zeit, die für einen bestimmten Transport (Zeitraum und Zeitdauer) gebraucht wird als auch die direkten Betriebskosten (Treibstoffkosten) eine große Rolle bei der Streckenplanung spielen.

Die Streckenplanung soll einen schnellen Transport zu günstigen Kosten ermöglichen. Vorzugsweise wird eine schnelle Strecke (minimierte Zeitdauer) im flachen Land (möglichst keine bergigen oder kurvenreichen Strecken) ausgewählt.

Maut spielt bei all diesen Überlegungen eine eher untergeordnete Rolle. Es fiel die Aussage, dass die mauterhebende Organisation sowieso über kurz oder lang dafür sorge, dass auf einer optimierten Strecke auch immer eine entsprechende Maut erhoben werde. Das Umfahren einer mautpflichtigen Strecke kann dementsprechend nur im Einzelfall sinnvoll sein, meist jedoch nicht allein wegen der Mautersparnis.

Wenn eine Ausweichstrecke jedoch aus anderen Gründen sinnvoll sei, dann werde sie mit oder ohne Mauterhebung weiterhin benutzt.

B252 als Abkürzung (aus Sicht der Streckenlänge)

Die B252 stellt eine klare kilometermäßige Abkürzung z.B. auf dem Weg von Südhessen nach Ostwestfalen (oder weiter nach Bremen/Bremerhaven) dar. Auf dem Weg von Frankfurt nach Paderborn können so z.B. ca. 40km eingespart werden.

Ein PKW-Fahrer wird diese „Abkürzung“ eher selten wählen, da auf der A5/A7/A44 meistens weit höhere Geschwindigkeiten gefahren werden können. Für einen PKW-Fahrer ergibt sich also kaum eine Zeitersparnis. Dies sieht für LKW ganz anders aus. Schwere LKW können auf Bundesstraßen fast ebensoschnell unterwegs sein wie auf Autobahnen.

Auf o.g. Route kommt hinzu, dass die B252 relativ flach verläuft während auf der A5/A7 etliche Mittelgebirge (Kasseler Berge) zu überqueren sind. Starke Anstiege haben einen wesentlichen Einfluss auf den Treibstoffverbrauch und je nach Motorisierung auch auf die benötigte Zeit. Allein aus diesem Grunde ziehen viele 40-Tonner die Route über die B252 der Autobahnstrecke vor.

Die Spediteure achten ihrerseits darauf, dass die Fahrzeuge stets möglichst optimiert betrieben werden. So werden z.B. neben der reinen Fahrstrecke weitere Telematikdaten (Drehzahl, Gangstufe, etc.) laufend erfasst, ausgewertet und gegebenenfalls optimiert, siehe z.B. : Fleetboard.

Fazit:

LKW-Maut auf der B252 sollte (im Wesentlichen aus finanziellen Gründen) bald möglichst eingeführt werden. Erste Überlegungen in dieser Richtung sind bereits angestoßen worden, siehe u.a. entsprechende  Berichte (spiegel.de) hier und hier.

Jedoch ist kaum davon auszugehen, dass diese Maßnahme den Schwerverkehr auf dieser Strecke spürbar reduziert.

last revised: 2016-06-27

Berndorf ohne Autobahn