Bedeutung des Fahrrads


Was gibt es zum Fahrrad zu sagen?


Bedeutung des Fahrrades in vergangenen Zeiten

Das Fahrrad war eines der ersten für eine große Anzahl von Menschen erschwingliche Individualverkehrsmittel. Es ermöglichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielen Menschen erstmals die Möglichkeit, sich individuell schneller als zu Fuß zu bewegen. Allerdings war das Fahrrad damals noch schwer und vor allem schwerfällig. An Gangschaltung, vernünftiges Licht oder Leichtbauweise war nicht zu denken. Aus diesem Grunde setzte sich das Fahrrad im Wesentlichen in flachem Gelände durch.

Das Fahrrad hatte jedoch schwerwiegende Nachteile. Nicht bei jedem Wetter und nicht mit jeder Kleidung ließ sich das Fahrrad benutzen. An Steigungen musste (wegen einer fehlender Gangschaltung und großem Eigengewicht) meist geschoben werden. Es ließ sich nur wenig Gepäck mitnehmen. Geschwindigkeiten von mehr als 20km/h waren kaum möglich.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte das Wirtschaftswunder ein und immer mehr Menschen konnten es sich leisten, motorisiert zu fahren. Zunächst wurde Moped oder Motorrad gefahren und ab Mitte der 60er Jahre

konnte sich eine breite Mehrheit ein Auto (darunter verstand man einen VW Käfer) leisten. Das Auto war wesentlich schneller, man hatte ein Dach über dem Kopf, man konnte es bei fast jedem Wetter benutzen und musste sich dazu noch nicht einmal anstrengen.

Das Fahrrad geriet zunehmend in Vergessenheit. Lediglich Kinder sowie diejenigen, an denen das Wirtschaftswunder vorbeigegangen war, waren auf ein Fahrrad beschränkt. Nur an den wenigen autofreien Sonntagen während der ersten Ölkrise (Winter 1973/74) erinnerte man sich wieder an das Fahrrad. In den darauffolgenden Jahrzehnten ging die Bedeutung des Fahrrades zurück.

 


Das Fahrrad in der heutigen Zeit

 Zu Beginn des neuen Jahrtausends gewann das Fahrrad wieder zunehmend an Bedeutung. Mehrere verschiedenartige Einflüsse spielen hier eine Rolle.

Zum einen ist das „grüne“ Gewissen zu nennen, welches eine immer größere werdende Anzahl von Personen dazu gebracht hat, das Auto auch mal stehen zu lassen.

Dann gab es in der Vergangenheit einige Zeiten (Sommer 2008) als die Treibstoffpreise nahezu explodierten.

Wer damals aufs Fahrrad umgestiegen ist, fährt auch heute noch Fahrrad, dort wo es sinnvoll ist.

In Städten kommt der große Einfluss fehlender (bzw. teurer) Parkplätze hinzu. In Städten ist man mit dem Fahrrad oftmals sehr viel schneller unterwegs als etwa mit dem Kraftfahrzeug.

Und nicht zuletzt der Technologiesprung, den Fahrräder in den letzten 15 Jahren mitgemacht hat, führte bis heute zu einer immer größer werdenden Beliebtheit von Fahrrädern.
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Für jeden Zweck ein eigenes Fahrrad

Während es früher nur ein Einheitsfahrrad ohne Gangschaltung gab, hat sich heute eine Vielzahl von ganz verschiedenen Radtypen etabliert.

Allen gemeinsam ist eine gut funktionierende Bremsanlage (hydraulisch betätigte Scheibenbremsen sind mittlerweile Standard).

Dazu kommt eine exakt arbeitende Gangschaltung, die sowohl das Erklimmen von Steigungen als auch flotte Abfahrten ermöglicht.

Mittels Naben-Dynamo versorgte LEDs bieten ein helles Licht, was sichere Fahrten auch bei Dunkelheit ermöglicht.

Leichtbauweise vermindert den Kraftaufwand und die Reifentechnik vermindert den Reibungswiederstand bzw. erhöht die Pannensicherheit.

Federgabeln bzw. Fullys tragen ihr übriges zum erhöhten Fahrkomfort bei.

Für die verschiedenen Anwendungszwecke sind ganz neue Typen entstanden.

Da gibt es den Allrounder „Trekking-Rad“ sowie sehr viele Spezialräder:

Fahrrad_Rennrad

 

Angefangen vom klassischen Rennrad

über das MountainBike, das City-Bike,  das Hollandrad, das BMX-Rad, das Cross-Rad etc.

 

 

 


Vor wenigen JahFahrrad_Lastenfahrradren ganz neu auf den Markt gekommen ist das Lastenrad, das insbesondere in der Stadt sowohl zum Einkauf als auch für den Transport von Kindern sich immer größerer Beliebtheit erfreut.

 


Sicher nicht vergessen werden darf der immer perfektere Elektroantrieb: Anfangs wurde Pedelecs (auch E-Bike gennannt) eher belächelt; das sei etwas für alte Leute, die sich nicht mehr bewegen können…

Fahrrad_PedelecDie ersten „Elektrischen“ hatte noch gar manche Nachteile und einigen war es sogar peinlich, sich damit zu zeigen. Man galt als faul, wenn man nicht selber treten wollte.

Mittlerweile hat sich dieses Bild stark gewandelt. Die „Elektrischen“ haben sich vielerorts etabliert. Die Fahrradindustrie hat bereits 2014 fast eine halbe Million Elektroräder verkauft (Quelle: Zweirad-Industrie-Verband) .

Auf den Straßen der Städte sowie in den Urlaubsregionen spiegelt sich dieses Bild wieder. In einigen Regionen sind schon ebensoviele „Elektrische“ wie herkömmliche Fahrräder unterwegs. Das Pedelec hat dem klassischen Mofa (wie man es früher häufig sah) inzwischen weit den Rang abgelaufen, auch dank der fast ebenbürtigen Fahrleistungen bei weniger Gestank und Lärm sowie weit geringeren Treibstoffkosten. Allerdings muss man beim Pedelec (wie der Name schon sagt) immer die Pedale mit „bewegen“.

Die Technik ist vorangeschritten und Akku-Reichweiten von ca. 100km sollten für eine Tagestour ausreichend sein. Selbst dem sportlichen Radler bringt ein Pedelec (z.B. in bergigem Gelände) einen deutlichen Zeitgewinn. Für Fahrten zur Arbeit etabliert sich ein Pedelec zunehmend (zumal man dann auch nicht durchgeschwitzt am Arbeitsplatz ankommt).

Für den Einkauf (etwa bei Fahrten kleiner 10km) bietet das Pedelec weitere Vorteile. Durch die oftmals stabilere Bauweise lässt sich mehr Einkaufsgut transportieren und der Rückweg mit größerer Last gelingt dank Elektrounterstützung mühelos. Gerade hier kommt auch das Lastenfahrrad (oder der Fahrradanhänger) gern zum Einsatz. Noch gibt es in deutschen Städten kaum Parkplatzprobleme für Fahrräder, für PKW hingegen bereits massiv.

Dass das Fahrrad große Entlastung im Stadtverkehr bringt, kann man z.B. auch daran erkennen, dass an Regentagen (wenn die Radfahrer auch auf den PKW umsteigen) die Verkehrsdichte deutlich dichter ist als an radfahr-geeigneten Tagen.
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Fahrradstraßen und Radschnellwege

Dieser Entwicklung kann sich auch die Politik nicht verschließen. So wurden und werden immer mehr Radwege gebaut und mancherorts hat auf sogenannten Fahrradstraßen das Fahrrad Vorrang vor den Kraftfahrzeugen. Kraftfahrzeuge werden nur noch „geduldet“.

Fahrradstrasse_kl

Inzwischen gibt es bereits sogenannte Radschnellwege , die möglichst kreuzungsfrei ein schnelles Vorwärtskommen ermöglichen. Weitere solcher Schnelltrassen  sind in Planung bzw. im Bau.
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Das Fahrrad als Verlängerung des ÖPNV

Bahnhof_Mobilo_BikeSharing_Raeder

In den Städten hat auch der ÖPNV erkannt, dass mit Bussen und Bahnen nicht alle Ziele einfach und schnell direkt erreicht werden können. Ein neues Modell hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr etabliert: Der ÖPNV bietet Leihfahrräder an, die für Dauerkarteninhaber des ÖPNV günstiger zu leihen sind. Die Fahrräder stehen meist an Bahnhöfen oder Bushaltestellen. Es kann somit direkt umgestiegen werden. Das Fahrrad wird mit Hilfe einer Smartphone-App entriegelt und nur die Dauer der Nutzung wird gezahlt. Wegen der Fernentriegelung über das Handynetz ist ein solches Fahrrad leider recht schwer und eigentlich unhandlich. Dennoch wird dieses Angebot inzwischen sehr gern angenommen.
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Fahrradtourismus

Immer mehr Kommunen haben den Fahrradtouristen entdeckt. Zunächst entlang der großen Flüsse und Seen wurden Radwege gebaut, die sehr gut angenommen werden. Die Gastronomie hat sich entsprechend angepasst und ist mit diesem Konzept sehr erfolgreich. Durch die leistungsfähigeren Fahrräder (Elektroantrieb) und ein immer besser werdendes Radwegenetz ist es heute möglich geworden auch längere Strecken abseits der großen Touristenzentren mit dem Fahrrad zurückzulegen. Viele, die diese Erfahrung bereits gemacht haben, berichten, dass man mit dem Fahrrad eine Landschaft erheblich viel besser aufnehmen kann, als dann wenn man die gleiche Strecke motorisiert zurücklegen würde. Das Genießen von Natur gelingt am Besten sofern man zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist. Mit dem Fahrrad sind problemlos Tagesetappen von 100km und mehr möglich. Gerade bei den sogenannten „best agers“ hat mit der Einführung des Pedelecs diese Art von sanftem Tourismus in den letzten Jahren enorm zugelegt. Auf den touristisch interssanten Strecken kann man mittlerweile schon manachmal mehr Pedelecs als klassische Fahrräder beobachten. Die inzwischen einsätzfähgien speziellen Fahrrad-Navigationssysteme zeigen dabei den Weg so dass auch die Orientierung meistens keine Probleme mehr bereitet.

 

Bedingung ist eFahrrad_Hinweisschildin gut ausgebautes und beschildertes (noch nicht jeder hat ein „Fahrradnavi“) Radwegenetz sowie ein attraktives auch auf Radfahrer zugeschnittenes Angebot in Gastronomie und Hotelwesen.

 

Hier muss die Region Nordhessen (im Vergleich zu Nord- bzw. Süddeutschland) noch einiges nachholen.

Eine löbliche Ausnahme bietet der inzwischen sehr beliebte Ederseebahn-Radweg.

 Radwegenetz Waldeck  (Quelle: Google Maps Radwege)

Radwege_5km_Nordhessen

Radwegenetz in Südhessen (Quelle: Google Maps Radwege)

gleicher Maßstab, grün eingezeichnet die Radwege:

Radwege_5km_Suedhessen

 
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Unser Fazit:

In Berndorf wird das Fahrrad noch relativ selten als Fahrzeug genutzt.

Auch für kurze Strecken wird gern das Auto genommen.

Das Fahren mit dem Fahrrad entlang der B252 kann sehr gefährlich sein. Nur an wenigen Stellen ist es dem Radfahrer erlaubt, den Fußgängerweg zu benutzen. An allen anderen Stellen muss der Radfahrer „eigentlich“ die PKW-Fahrbahn nutzen. Wer sich an diese Regel hält, gefährdet damit leider oftmals das eigene Leben.

Letztens (17.08.2015) wurde ein ordnungsgemäß mit ca. 25km/h auf der Fahrbahn fahrrendes Mofa (eines der wenigen verbleibenden) durch einen ausländischen LKW von der Fahrbahn weggehupt.

Einkaufen (in Korbach) mit dem Fahrrad wird nur von wenigen Idealisten praktiziert, denn die Fahrt nach Korbach (über den Elfringhäuser Weg) ist (ohne Elektrounterstützung) beschwerlich.

Pedelecs sieht man in Berndorf noch ganz wenig, Lastenfahrräder gibt es keine.

Wenn der Schwerverkehr aus Berndorf verschwindet und der Elektrounterstützung sich durchsetzt, könnte das Fahrrad auch in Berndorf wieder spürbar an Bedeutung gewinnen (nicht zuletzt auch der Umwelt zuliebe).

Eine touristische Anbindung im Radwegenetz (zwischen den drei Waldecker Seen) könnte Berndorf zusätzlichen Umsatz bescheren, der vom motorisierten Schwerlastverkehr nicht erwirtschaftet werden wird.

Bei einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h auf allen Berndorfer Ortsstraßen (nach Bau der Ortsumfahrung auch auf der Hauptstraße) könnten sich Radfahrer wieder sicher fühlen.

Natürlich ist ganz klar, dass ein Fahrrad niemals den PKW komplett ersetzen kann, aber in vielen Situationen könnte man sehr wohl darüber nachdenken, ob man nicht auch den PKW zugunsten des Fahrrades einmal stehen lassen kann.

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last revised: 2016-02-10

Berndorf ohne Autobahn