Logistikzentren in WA-FKB

In den letzten Jahren wurden immer wieder neue Logistikhallen in Korbach und ganz Waldeck-Frankenberg gebaut:

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Es wurde immer damit argumentiert, dass so Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden können. Das ist sicherlich auch richtig so, aber die Anzahl der Arbeitsplätze pro LogistikhForklifts_romalle ist dabei durchaus beschaulich geblieben. Letztendlich bleiben ein paar Arbeitsplätze zum Fahren von zwei bis drei Gabelstaplern sowie ein paar Dispositionsarbeitsplätze.

 

Die Anzahl der Arbeitsplätze pro Halle dürfte maximal im unteren zweistelligen Bereich liegen. Für viele Arbeitsplätze werden viele solcher Hallen mit entsprechendem Umsatz benötigt. So kam es dann auch, dass in den letzten Jahren in Waldeck-Frankenberg eine zweistellige Anzahl von neuen Hallen gebaut worden ist. Somit konnte dann auch eine vermutlich dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen gesichert bzw. geschaffen werden.

Was hat denn eine Logistikhalle (früher sagte man einfach: Lagerhalle) für einen Sinn?

Früher hatte man größere Lager in jedem Unternehmen. Damit war gewährleistet, dass auch immer alle Teile genau dann zur Verfügung stehen, wenn sie gebraucht werden. Eine Nachbestellung funktionierte damals oftmals nicht ganz so schnell.

In der heutigen Zeit heißt es: Lagerkosten sind unnötige Kosten, sie führen zu gebundenem Kapital, das den sogenannten „cashflow“ nachteilig beeinflusst. Man versucht, die eigene Lagerhaltung möglichst zurückzufahren.

Die Logistikbranche ist mittlerweile an vielen Stellen so gut, dass ein bestelltes Einzelteil nur wenige Stunden nach der Bestellung am Zielort eintrifft. Für jede einzelne Lieferung (auch für ein kleines Teil) muss dann manchmal ein Auslieferfahrzeug mit einer Einzelfahrt zum bestellenden Kunden fahren. Sammelbestellungen würden länger dauern, und eine längere Lieferzeit ist nicht gewünscht (da dann vielleicht viele Räder still stehen müssten).

Wir sind es nicht mehr gewohnt, wochenlang auf eine Lieferung zu warten. Morgens im Internet bestellt, so soll es bereits abends eintreffen, oder? Wer wartet heute noch 4 Wochen auf eine Lieferung? Vorreiter ist ein bekannter Internet-Versand, der inzwischen mit der Lieferung am Tag der Bestellung wirbt.

Die Lager befinden sich heute auf der Lieferantenseite, also entweder bei den produzierenden Firmen selbst oder aber bei Zwischenhändlern.

Einige Produkte sind saisonale Produkte, die z.B. das ganze Jahr über hergestellt aber nur zu bestimmten Jahreszeiten gebraucht werden (Winterreifen, Sommerreifen). Oder aber die Herstellung erfolgt saisonal (Landwirtschaft) und der Abverkauf soll konitnuierlich erfolgen. In beiden Fällen sind Zwischenlager notwendig. Dies hat auch zur Folge, dass die Lager entweder über einen kurzen Zeitraum gefüllt oder aber sehr schnell geleert werden müssen.

Beim Zement (auch ein teilweise saisonales Produkt) durften wir ein bisschen hinter die Kulissen schauen. Zement wird nach der Produktion lose in großen Silotürmen gelagert. Es handelt sich dabei jeweils um mehrere zig-tausend Tonnen. Die Verpackung in Säcke und Paletten erfolgt mehr oder weniger auf Nachfrage, aber auch hier ist ein gewisser Zwischenpuffer in einer Logistik-Halle notwendig.

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In der hier gezeigten ca. 2000m² große Halle können zwei LKW gleichzeitig beladen werden. Jeder LKW bekommt 13 Paletten (26 Tonnen Zuladung). Die Verladung dauert 12-15 Minuten. Damit können zu Spitzenzeiten ca. 8 LKW pro Stunde verladen werden. Im Dreischichtbetrieb verlassen diese eine Halle also ca. 150-200 LKW pro Tag. Sicher findet der Volllastbetrieb nicht jeden Tag statt, aber es gibt Tage wo das der Fall ist. Im Zement-Business finden aber auch in umsatzschwachen Zeiten etliche zig LKW-Beladungen (Palettenware) pro Tag statt. Der Anteil von lose in Silotankwagen transportierter Menge ist dabei weitaus größer.

Im Zement-Bereich spielt Bahntransport bei uns in Deutschland aktuell nur eine untergeordnete Rolle (gibt es nur in Norddeutschland zum Transport an Großbaustellen oder Verteilzentren). Zementverladung per Bahn findet in größerem Stil nur noch in Osteuropa und Russland (lange Wege, schlechte Straßen) statt. Es wird immer wieder davon geredet, auch in Deutschland Zement wieder mehr per Bahn zu transportieren, aber nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung wurden solche Pläne sehr oft wieder verworfen.

Fazit:

Wir stellen fest, dass jede einzelne neue Logistikhalle automatisch einen weiter erhöhten LKW-Verkehr zur Folge hat.

Wir wollen dieses Geschäft nicht verdammen, denn es dient unser aller Wohlstand.

Viele Arbeitsplätze (gerade auch in der eigentlichen Produktion selbst) hängen direkt oder indirekt von funktionierdem Güterumschlag ab.

Wir wissen, dass die Bahn dieses Geschäft nicht stämmen kann.

Wir setzen uns ein für funktionierende Transportwege ohne Langsamstellen wie etwa Ortsdurchfahrten.

Wir setzen uns ein für eine Ortsumfahrung auch für Berndorf.

 

last revised: 2016-01-23

 

 

Berndorf ohne Autobahn