Warum wir alle mobiler sind

Mobilitaet

Mobilität ist ein vielschichtiges Thema, das uns alle direkt oder indirekt berührt.

 

 

Oft merken wir es gar nicht, dass wir und andere heute sehr viel mobiler sind als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Wo sind wir heute mobiler als früher?

 

  • Private Reisen:

Früher hat man weniger und seltener Urlaub gemacht, heute sind bei vielen häufige kurzfristige und kurz andauernde Reisen neu hinzugekommen.
Und wenn es ein längerer Urlaub ist, dann darf dieser auch gern weiter weg (z.B. auf einem anderne Erdteil) verbracht werden. Dies ließe sich weiter ausführen, aber überlege doch mal jeder selbst wie viele Kilometer in jedem Jahr zurückgelegt werden.
-> Fazit: mehr Personenkilometer

 

  • Dienstliche Reisen:

Wer in der Industrie (z.T. merkt man es auch schon im Handwerk) tätig ist, der stellt fest, dass sich fast jedes Unternehmen immer mehr auf ein ganz bestimmtes Aufgabengebiet spezialisiert. In diesem Spezialgebiet ist man besser als andere, sodass ein wirtschaftlicher Vorteil besteht. Dumm nur, dass bei einer Spezialisierung auf einen ganz bestimmten Teilbereich auch die Anzahl der Kunden im nahen Umfeld geringer wird. Aus diesem Grunde versuchen viele Unternehmen, ihre (Spezial-)Produkte nun in einem viel größeren Umfeld zu vermarkten. Diese Rechnung geht auf sofern einerseits Warentransporte schnell und kostengünstig durchgeführt werden können und andererseits z.T. weite Reisen für Montagepersonal (Spezialisten) sowie Abstimmungsmeetings durchgeführt werden können.
-> Fazit: Mehr Personenkilometer und mehr Warenkilometer

 

  • Ausbildung in einem Beruf, der mir Spass macht

Früher sorgte der Vater dafür, dass der „Bub“ eine Anstellung beim ortsansässigen Handwerker bekam. Da musste dann etwas „gelernt“ werden, wozu man in manchen Fällen überhaupt keine Lust hatte. Damals war ein tägliches Pendeln über weite Entfernungen nicht oder nur sehr schwer möglich. Man hat dann halt in den sauren Apfel gebissen und das gelernt, was vor Ort möglich war.
Diese Situation finden wir heutzutage immer seltener vor. Viel mehr junge Menschen haben heute eine genaue Vorstellung davon, was sie später einmal machen wollen. Oftmals stellen wir fest, dass junge Erwachsene eine Ausbildung an einem anderen Ort antreten. Heutzutage beginnen z.B. viel mehr junge Leute ein Studium, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Aus diesem Grunde erleben z.B. Städte mit Hochschulen seit Jahren eine Bevölkerungszunahme während ländliche Regionen weiter ausbluten (Landflucht).
Nur wenige dieser jungen Erwachsenen kehren nach absolvierter Ausbildung wieder in ihre Heimat zurück. Und es liegt nicht immer daran, dass man die Heimat nicht mögen würde. Häufig liegt es daran, dass adequate Arbeitsplätze (wo man das machen kann, was man gelernt hat und was Spass zu machen verspricht) in der Heimat nicht vorhanden sind.
-> Fazit: Mehr Personenkilometer (zumindest dann, wenn man der Heimat nicht komplett den Rücken kehren will)

 

  • Arbeitsplatz, der mir Spass macht bzw. wo finde ich Arbeit

Die Anforderungen an Arbeitsplätze werden immer komplexer. Einfache Arbeit (wo kein Spezialwissen gebraucht wird) wird immer seltener. Wenn man sich einmal in ein Spezialgebiet eingearbeitet hat, dann wird die Auswahl eines neuen Arbeitsplatzes immer schwieriger. Umziehen oder fernpendeln ist angesagt. Nicht von ungefähr nimmt die Anzahl der sogenannten Fernpendler (oder auch Wochenendpendler) von Jahr zu Jahr zu.
-> Fazit: Mehr Personenkilometer

 

  • mehr Spezialprodukte, die ich haben will

Früher kaufte man das, was der Tante-Emma-Laden vor Ort zu bieten hatte.
Mit dem eigenem Auto konnte man dann „nach Korbach fahren“ um dort ein breiteres Warenangebot vorzufinden. Gleichzeitig machten sich Discounter breit, die die Waren aus dem Laden vor Ort plötzlich viel billiger anbieten konnten.
-> Fazit: mehr Personenkilometer
und
-> Der zweite Laden in Berndorf (wer kennt ihn noch?) musste schon in den 70ern schließen.

Später kamen dann diverse Versandhandel hinzu (Quelle / Neckermann / Otto …), die weitere Produkte anbieten konnten, die in der Nähe nicht zu bekommen waren.
-> Fazit: Mehr Warenkilometer

In den letzten Jahren kam dann der Internethandel auf. Wir bestellen zu Hause am PC und erwarten, dass die gewünschten Produkte möglichst schnell angeliefert werden.
Das Zusammenfassen zu Sammelbestellungen (wie man es früher gern gemacht hat) ist uns zu umständlich und zu langsam geworden.
Dadurch kommt es immer öfter vor, dass die „Sprinter“ der verschiedenen Paketdienste (der gelbe mit der roten Schrift, der braune mit der goldenen Schrift, der weiße mit der gelb/blauen Schrift) sich oftmals vor dem Haus selbst im Wege stehen und Fahrer sich die Klinke in die Hand geben.
-> Fazit: Mehr Warenkilometer
-> Fazit: Auch der letzte Laden in Berndorf musste schließen
-> Verlierer: Rentner, die kein Auto haben und sich nicht im Internet zurecht finden.

Generelles Fazit:

Unser Leben hat sich gewandelt. Wir leben heute viel globaler und mobiler als jemals zuvor.
Viele Dinge, die unser Leben verbessern, sind heute erstmalig möglich.
Alles funktioniert gut, weil Transporte von Waren und Menschen
heute mit wenig Zeitaufwand möglich und erschwinglich geworden sind.
Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, was wiederum bedeutet, dass Warentransporte (Tonnenkilometer) und Personentransporte (Personenkilometer) ganz allgemein weiter zunehmen werden.

Fazit für Berndorf:

Die Bedeutung der B252 wird langfristig weiter zunehmen.
Die Belastung für Berndorf selbst wird weiter zunehmen, jedenfalls solange die B252 weiter mitten durch Berndorf hindurch führt.

Wir fordern die Ortsumgehung!

last revised: 2016-03-23

Berndorf ohne Autobahn