Landflucht

LandfluchtLandflucht

Auf der ganzen Welt beobachten wir, dass es viele Menschen in die Städte zieht, da auf dem Lande kaum Perspektiven zu existieren scheinen. Dieses Phänomen nennt sich „Landflucht“.

Vor allem junge Leute (meist ohne Kinder) zieht es in die Städte. Im urbanen Umfeld konzentriert sich das Leben auf engerem Raum. Ein umfangreiches Ausbildungsangebot (z.B. Hochschulen) macht den Umzug in die Stadt für viele notwendig. Attraktive Arbeitsplätze scheint es in der Stadt wesentlich häufiger zu geben als auf dem Land. Kurze Wege zur Arbeitsstelle, zum Einkaufen und für Freizeitaktivitäten scheinen interessant. Der gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr macht das eigene Auto oftmals unnötig oder sogar hinderlich (Parkplatzsuche, Parkplatzkosten usw.). In den Städten scheint insgesamt „mehr los“ zu sein. Das Leben ist schneller und oftmals auch hektischer.  Viele fühlen sich in diesem Umfeld wohl und so kam es in den letzten Jahren zu einer Wanderungsbewegung weg vom Land hin in die Großstädte.

Der Zuzug in die Städte hat dort allerdings vielerorts auch zu Problemen und teils massivem Kostenanstieg geführt. So haben z.B. die Mieten in den Ballungsräumen in den letzten Jahren massiv zugelegt. Wohneigentum in der Stadt können sich nur ganz wenige extrem gut Verdienende leisten. Siehe dazu auch einen Bericht aus dem Focus vom 20.03.2017.

Der „Verkehrsinfarkt“ führt zu allerlei Problemen. Ein „Pendeln“ zum Arbeitsplatz nimmt bei wenigen Kilometern Entfernung doch erhebliche Zeit in Anspruch. Die Luftqualität scheint zunehmend problematischer zu werden. Fahrverbote, z.B. für Diesel drohen.

StadtfluchtStadtflucht

Und somit kann man etwa seit 2014 wieder einen umgekehrten Trend ausmachen. Inzwischen zieht es wieder mehr Menschen raus aufs Land und weg von der Enge und Hektik der Großstadt. Gerade Familien mit Kindern zieht es aufs Land da hier oftmals ein gefahrloseres Leben für Kinder möglich ist (Berndorf könnte dies ohne die B252 mitten hindurch auch bieten!). Menschen die ein bisschen Grün vor der Wohnung lieben oder aber die ein paar mehr Quadratmeter ihr eigen nennen möchten und dies in der Stadt nicht finanzieren können, orientieren sich inzwischen wieder mehr in Richtung Land.

Hinzu kommt, dass die moderne Arbeitswelt inzwischen neue Möglichkeiten geschaffen hat. Einiges (wenn auch nicht alles) kann heute mit Hilfe des Internets und Telefons von zu Hause aus (oder sogar aus dem Urlaub heraus) erledigt werden. Immer mehr Menschen wird es möglich werden, nur wenige Tage der Arbeitswoche in die Stadt zu „müssen“ und sie können an zwei oder drei Tage in der Arbeitswoche sich von zu Hause aus zuschalten. Bei Microrsoft verliert z.B. der eigene Schreibtisch im Büro zunehmend an Bedeutung.

Die Landflucht, die wir in den letzten Jahren erleben mussten, scheint also auch umkehrbar zu sein.

Der Spiegel hat diesen neuen Trend untersucht und beschreibt einige Facetten. Siehe dazu folgenden Bericht vom 30.08.2016.

Eine Hoffnung liegt In der  Digitalisierung. Digitalisierung  kann dem ländlichen Raum zu wesentlich mehr Attraktivität bei der Arbeitsplatzsuche verhelfen (siehe Spiegelbericht vom 22.02.2018).

 

Was kann Berndorf tun?

Was können wir tun, um der Landflucht, die wir auch in Berndorf beobachten können, entgegenzusteuern? Viele Junge Leute haben Berndorf und das Waldecker Land z.B. wegen des Beginns einer Ausbildung oder eines Studiums verlassen. Nur einige davon sind zurückgekehrt.

Wir meinen, dass es normal ist, sich als junger Mensch irgendwo eine Heimat zu suchen und dies muss nicht immer dort sein, wo man aufgewachsen ist. Auch in den Städten verlassen Menschen die Stadt in der sie aufgewachsen sind und lassen sich z.B. in einer anderen Region nieder.

Man wird sich dort niederlassen, wo das Umfeld stimmt. Dazu gehören neben einem attraktiven Arbeitsplatz auch das kulturelle Umfeld und eine gute Anbindung an die Infrastruktur sowie weitere Entscheidungskriterien.

Wie können wir erreichen, dass unsere Region wieder Zuzugsregion werden kann?

Vor Jahrzehnten erlebte Berndorf einen Zuzug in größerem Stil, als es durch Expansion einiger Betriebe zu einem vermehrten Arbeitsplatzangebot kam. Auch der in den letzten Jahrzehnten vermehrte Zuzug in die Städte ist zu einem großen Teil auf das Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen zurückzuführen. Hier liegt vermutlich auch der Schlüssel für einen Zuzug von Menschen, die nicht hier aufgewachsen sind. Nur wenn es attraktive Arbeitsplätze gibt, kann eine Region dauerhaft attraktiv bleiben. Neben der Wirtschaft selbst ist hier auch die Politik gefragt, die ein entsprechend investitionsfreundliches Umfeld zur Verfügung stellen muss. Selbstverständlich ist eine sehr gute Infrastruktur notwendig um den schnellen Austausch von Waren  und Daten zu gewährleisten.

Was hat das mit Verkehr zu tun?

Nun, unser Wirtschaftssystem ist auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Letzteres erreichen heute viele Betriebe dadurch, dass eben nicht mehr alles selbst produziert wird. Ein Betrieb erledigt vielleicht nur einen einzigen ganz speziellen Arbeitsvorgang in der Prozesskette bis zum Endprodukt. Anlieferungen des Vorprodukts und Auslieferungen des bearbeiteten Produkts sind notwendig. Desto wirtschaftliche der notwendige Transport organisiert werden kann, desto erfolgreicher kann sich auch ein Unternehmen z.B. in einer Nische etablieren.

Die Attraktivität einer ländlichen Region (Ferienland Waldeck) für Freizeitaktivitäten und das gleichzeitig eher dünnere Angebot an interessanten Arbeitsplätzen verleitet zum Pendeln. Pendeln an die Arbeitsplätze in den Großstädten wird immer hoffähiger. Wenn es dazu noch die Möglichkeit eines „home Office“-Arbeitsplatzes an einigen Wochentagen gibt, wird ein weiteres Pendeln zunehmend eher möglich. Fünf mal in der Woche nach Korbach pendeln sind 50km, zweimal in der Woche nach Kassel sind schon 200km bzw. einmal nach Frankfurt und zurück schon 360km.

Fazit:

Heute legen Waren wesentlich weitere Wege zurück als noch vor Jahren, was den (meist überregionalen) LKW-Verkehr stark ansteigen ließ. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Auch Pendeln zu weit(er) entfernten Arbeitsplätzen wird zunehmend machbar (oder sogar notwendig?) was den PKW-Verkehr weiter ansteigen lässt.

 

last revised: 2018-02-22

Berndorf ohne Autobahn