Tunnel

In der letzten Zeit oft diskutiert wurde auch eine eventuelle Tunnellösung für Berndorf.

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Die Idee eines Tunnels hört sich erst einmal sehr gut an, so bietet eine solche Lösung doch einige offensichtliche Vorteile:

  • Es muss kein bisher landwirtschaftlich genutztes Land für den Straßenbau umgewidmet werden
  • Naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen (mit weiterer Umwidmung von landwirtschaftlichem Nutzland) sind nicht erforderlich
  • Der Lärm wird nicht woanders hin verlagert, wo dann eventuell andere gestört werden könnten

Eine solche Lösung könnte viele Fliegen mit einer Klappe erschlagen, oder doch nicht?

Eine Tunnellösung (auf der bisherigen Trasse) hat leider auch ein paar gravierende Nachteile.

  • Es ist mit einer langen Bauzeit (vermutlich ca. 3 Jahre) zu rechnen.
  • Wohin mit dem Verkehr während der Bauzeit?
  • Ein Tunnelbau in geringer Tiefe kann nicht bergmännisch erfolgen. Eine offene Bauweise ist erforderlich.
  • Ein Tunnelbau verglichen mit einer Ortsumfahrung würde weitaus größere finanzielle Ressourcen erforderlich machen
  • Ein Tunnelbauwerk zieht erheblich höhere Betriebskosten (Belüftung, Beleuchtung, etc) nach sich

Eine längere Bauzeit ist dabei sicherlich noch am ehesten zu verschmerzen.

Die Frage nach dem „Wohin mit dem Verkehr während der Bauzeit?“ bereitet weitaus größere Probleme. Insbesondere in den Wintermonaten ist eine Umleitung über Helmscheid / Mühlhausen für den Schwerverkehr wohl nicht denkbar. Dies gilt genauso für eine Umleitung über Waroldern.

Eine weiträumigere Umleitung über z.B. die B251 würde diese massiv überlasten und zusätzlich in vielen Fällen zu einer erheblichen Verlängerung der zu fahrenden Strecke führen.

Letztendlich würde eine Vollsperrung der B252 für z.B. 3 Jahre die heimische Wirtschaft sehr stark belasten.

Für eine innerörtliche Umleitung sehen wir keine Möglichkeit.

Teilsperrungen sehen wir ebenfalls als unrealistisch an.

Ein Tunnelbau in offener Bauweise ist eine große technische Herausforderung,

Ob diese Bauweise in Berndorf überhaupt technisch realisierbar ist, müssen Experten klären.

Zunächst muss eine Baugrube ausgehoben werden, in die die Straße dann mit ihrer gesamten Infrastuktur (Entwässerung, Beleuchtung, Entlüftung, Überwachung, Rettung) neu hineingebaut werden muss.

D.h. eine Baugrube mit mindestens 6 Meter Tiefe (wohl eher 10m) muss in einer Breite von 10-15m ausgehoben werden und zwar über den gesamten Ortsbereich. Wenn dabei noch die Steigung in Höhe der Bushaltestelle entschärft werden soll, müsste im oberen Bereich noch tiefer gegraben werden.

Am Schluss könnte ein entsprechender „Deckel“ den auch dort entstehenden Lärm im Tunnel lassen.

Dies könnte bedeuten, dass z. B. eventuell einige Häuser ganz abgerissen werden müssten.

Dies könnte bedeuten, dass einige Anwohner während der Bauzeit z.B. überhaupt keine Zufahrt zu ihrem Grundstück mehr haben würden.

Dies könnte bedeuten, dass man während der Bauzeit nur sehr eingeschränkt (z.B. über eine Behelfsbrücke) die Straße überqueren könnte.

Die erheblich größeren Baukosten würden ein solches Projekt wahrscheinlich unmöglich werden lassen.

Letzteres wurde von Behördenseite und Politik bereits genau so signalisiert.

Ein Tunnel führt zu erheblich höheren Betriebskosten:

  • Ein Tunnel muss ständig beleuchtet sein
  • Ein Tunnel muss ständig belüftet werden
  • Ein Tunnel muss ständig überwacht werden
  • Ein Tunnel muss erheblich höhere Sicherheitsanforderungen erfüllen als eine Straße, denn im Falle eines Unfalls gibt es keinen seitlichen Fluchtweg.Schranken und Ampeln müssen eine Sofortsperrung ermöglichen
  • Ein Tunnel muss alle 10 Jahre generalüberholt werden (ca. 6-8 Wochen Sperrung).
  • Ein Tunnel hat besondere Anforderungen für alle Rettungsteams

Alternativ:

Ein Tunnelbau in offener Bauweise außen herum über unbebautes Gebiet.

Vorteile:

  • Während der Bauzeit kann der Verkehr weiterhin fließen
  • Während der Bauzeit gibt es nur wenige zusäzlichen Beschränkungen für Berndorf
  • Landwirtschaftliches Nutzland, das während der Bauzeit benötigt wird, könnte nach Fertigstellung wieder zurückgegeben werden.
  • Lärm im Tunnel dringt nicht in den Ort, auch nicht an den Ortsrand

Nachteile:

  • Noch viel höhere Kosten, da eine viel größere Strecke untertunnelt werden müsste.
  • Vermutlich sind wegen der geografischen Lage auch Brücken und offene Teilstücke notwendig

Unser Fazit:

Ein Tunnel für den Durchgangsverkehr in Berndorf scheint eine interessante Lösung zu sein.

Allerdings bezweifeln wir sehr stark die Durchführbarkeit eines solchen Projektes.

Zu hoch erscheinen sowohl die technischen als auch die finanziellen Hürden.

Berndorf ohne Autobahn