Tempo 30

Temp_30Man könnte in der bisherigen Ortsdurchfahrt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h beschränken.

Was würde das bedeuten?

Erstmal würde diese Maßnahme den großen Unmut der meisten durchfahrenden Fahrzeugführer nach sich ziehen. Bei eine angenommen Länge der Ortsdurchfahrt von ca. 1km würde die Durchfahrt dann ca. 48 Sekunden länger dauern.  Letzteres will kaum jemand akzeptieren und es würde trotzdem schneller gefahren, es sei denn dies würde durch Blitzer überwacht. Für diesen Fall wäre ein Blitzer in der Arolser Straße zwingend notwendig.

Die Sicherheit (z.B. beim Überqueren der Straße durch Kinder und Rentner) könnte jedoch spürbar gewinnen und der Lärm würde wohl um einiges reduziert werden können.

Trotzdem:

Auch „Tempo 30“ vermindert die Anzahl der durchfahrenden Fahrzeuge jedoch in keiner Weise.

Auch mit „Tempo 30“ fahrende Fahrzeuge verursachen Geräusche. Bei langsameren Geschwindigkeiten tritt der Lärmfaktor Luftverwirbelung etwas zurück, während die Motorgeräusche dann (vor allem bei LKWs) wieder deutlich heraushörbar sind.

Ausschließlich mit „30“ fahrende Elektro-PKW könnten zu einer deutlichen Lärmreduzierung führen; dies ist jedoch zur Zeit ein vollkommen unrealistischer Fall.

Zusätzliche negative Auswirkungen auf den Verkehr:    Die Ortsdurchfahrt würde eine knappe Minute länger dauern, was (wie bereits erwähnt) auf wenig Akzeptanz führen würde.

Eine verminderte Durchgangsgeschwindigkeit führt auch dazu, dass dichter aufgefahren wird, d.h. die Abstände zwischen den Fahrzeugen verringern sich. Es befinden sich dann zur gleichen Zeit mehr Fahrzeuge im Bereich der Ortsdurchfahrt. Es wird möglicherweise noch schwerer werden, innerhalb des Dorfes auf die B252 einzubiegen. Fußgänger können nur dann die Straße überqueren, wenn dies durch Ampeln oder zumindest einen Zebrastreifen gewährleistet wird. Größere Lücken zwischen den Fahrzeugen sind dann tagsüber kaum noch zu erwarten.

Einen solchen Effekt können wir bereits heute z.B. während des Arolser Viehmarktes beobachten: Fahrzeug reiht sich an Fahrzeug, die Durchfahrtgeschwindigkeit (und somit auch die durchschnittliche Lautstärke) ist etwas geringer, aber es fällt schwer von einem Grundstück oder aus einer Seitenstraße auf die B252 aufzufahren.

Zu einer Verkehrsreduzierung könnte diese Maßnahme allerdings dann führen, wenn alle Orte mitmachen würden. Dann würde sich die Durchfahrt von Marburg nach Diemelstadt um ca. 10 bis 15 Minuten verlängern. Das wiederum würde einige Fahrzeuge (vor allem durchfahrende LKWs) davon abhalten, die „Abkürzung“ über die B252 zu nehmen. Diese Fahrzeuge würden dann z.B. den (entfernungsmäßig) längeren Weg über die Autobahn (A5/A7) wählen.

Letztendlich ist diese Maßnahme jedoch kontraproduktiv, denn Transportgewerbe und privat fahrende Fahrzeuge werden behindert und die Anwohner gewinnen nur wenig.

Nichts desto trotz gibt es Orte, die diesen Wege gehen:

Auf der B252 hat z.B. Niederwetter diesen Weg gewählt.

150221_7136kl_Niederwetter_Tempo_30_komplettDie kurvige und enge Ortsdurchfahrt rechtfertigt die Maßnahme auch unter sicherheits-technischen Aspekten. Zusätzlich wird der Lärm etwas reduziert, genaue Zahlen dazu liegen jedoch nicht vor. Ohne Blitzer würde „Tempo 30“ hier wohl nicht eingehalten werden. Durch den Blitzer hat sich die Geschwindigkeit tatsächlich auf ziemlich genau „30“ reduziert.

140815_5023klkl_Hagnau_B31_Tempo_30Auf der B31 hat z.B. Hagnau diesen Weg gewählt. Durch die Maßnahme konnten positive Effekte für die Ortsdurchfahrt erreicht werden.

Allerdings:

Auch hier dauert die Ortsdurchfahrt jetzt länger und es bilden sich zu beiden Seiten des Ortes lange Staus.

Diese Maßnahme findet bei den Fahrzeugführern selbstverständlich keine Zustimmung.

Die Maßnahme wird vom Bürgermeister als Notwehrmaßnahme bezeichnet.

 

Tempo 30 bei Nacht

In einigen Orten gibt es eine nächtliche Tempo 30 – Regelung. Diesen Weg haben einige der Marburger Dörfer und sehr viele Orte entlang der B30 und der B31 in Süddeutschland sowie anderswo gewählt. Es ist inzwischen vielerorts nicht mehr angesagt, nachts schnell durch bewohnte Gebiete zu fahren. Die „schnelle“ Vorbeifahrt ist der Ortsumfahrung vorbehalten.

Seit einiger Zeit setzen auch zunehmend Städte auf entsprechende Regelungen. So gilt z.B. in Darmstadt auf der Heinrichstraße und seit kurzem auf der auf der Frankfurter Straße eine nächtliche Tempo 30-Regelung.

Tempo 30 bei Nacht könnte durchaus das Lärmniveau während der Nachtzeiten verringern. Da nachts deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs sind, laufen viele Fahrer Gefahr gerade jetzt schneller zu fahren. Ein schneller fahrendes Fahrzeug (insbesondere LKW oder Schnelltraktor) erzeugt überpropertional viel Lärm und zwingt die Anwohner (die nachts auch schlafen wollen) zu noch stärkeren Dämmungsmaßnahmen. An Schlafen mit offenem Fenster (man bedenke den Sommer 2015) ist an der Straße schon lange nicht mehr zu denken.

Die Stadt Frankfurt hat einen Feldversuch mit Tempo 30 in einigen Hauptstraßen gestartet. Erste Ergebnisse liegen vor. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Lärmniveau um etwa 3dB fällt. Dies klingt erstmal nach nicht viel, allerdings fällt die „gefühlte“ Lautstärke deutlich. Man sagt: „Es fühlt sich an, wie eine Halbierung des Straßenverkehrslärms“.

 

 ÜbrigeLKWFahrverbot_und_Tempo_30kl_2ns:

Viele Orte, die inzwischen eine Ortsumfahrung bekommen haben, haben (Teile) ihrer alten Durchgangsstraße(n) dauerhaft auf „Tempo 30“ reduziert. Dieser Schritt ist in den allermeisten Fällen sehr begrüßt worden, denn die Sicherheit innerhalb des Ortes kann dadurch stark erhöht werden während das Lärmniveau fällt. Oftmals ist dies auch mit einem LKW-Durchfahrtsverbot kombiniert.

 

 

Unser Fazit:

„Tempo 30“ ohne Ortsumfahrung kann allenfalls eine Zwischenlösung sein, denn zu viele Nachteile sind damit für den Durchgangsverkehr verbunden während die Vorteile sich leider auch in Grenzen halten.

Eine langristige gute Lösung für alle kann in Berndorf (wie anderswo auch) nur durch eine Ortsumfahrung geschaffen werden.

Nach dem Bau einer Ortsumfahrung ist ein dauerhaftes „Tempo30“ für alle innerörtlichen Berndorfer Straßen sicherlich keine schlechte Lösung.

Berndorf ohne Autobahn