Landwirtschaft in Berndorf

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft in Berndorf?

Auch hier müssen wir uns die Zeitschiene anschauen:

Landwirtschaft in früheren Jahrzehnten

Noch vor einigen Jahrzehnten hatte nahezu jeder Einwohner zumindest eine kleine Landwirtschaft. Die eigene Landwirtschaft diente in der Regel dazu, um Getreide, Kartoffeln bzw. Milch und Fleisch größtenteils für den Eigenbedarf zu produzieren.

Landwirtschaft früherFast alle Arbeiten mussten  weitgehend manuell (also ohne Motorkraft) durchgeführt werden. Lediglich Pferde oder Ochsen standen für kraftaufwändige Tägigkeiten (Pflügen, Eggen, Transporte) zur Verfügung.

Die Arbeiten waren mühselig und schwer wie der folgende Filmbericht aus der Schweiz zeigt:

Quelle: youtube

Und weil alles so aufwändig war, konnte ein jeder Bauer auch nur ein kleines Stück Land bearbeiten. Die Erträge reichten gerade so zum Leben.

Als in den 50ern und 60ern der „Trecker“ aufkaum

Darmstadt_Porsche_DieselEine große Revolution setzte nach dem zweiten Weltkrieg ein. Der ‚Trecker‘  nahm dem Bauern viel Arbeit ab. Die Arbeit auf dem Acker konnte nun viel schneller durchgeführt werden. Der Bauer wurde deutlich entlastet und hatte fortan mehr Zeit für andere Aufgaben.

Erste Betriebe geben auf

In den 60er und 70er Jahren nahmen dann viele Kleinbauern die Chance war, auch andere Arbeitsplätze anzunehmen. Die Industriebetriebe in der näheren Umgebung zahlten sehr viel mehr Gehalt für eine weniger aufwandsreiche Arbeit. So kam es, dass viele Nebenerwerbsbetriebe nach und nach ganz den Betrieb einstellten. Das frei werdende Ackerland wurde nur allzugern von den verbleibenden Vollerwerbslandwirten übernommen.

Immer weniger Betriebe werden immer größer

Landwirtschaft in BerndorfDie verbleibenden Betriebe mussten dann auf weitere Automatisierung setzen. Die ‚Trecker‘ wurden größer und schwerer.

 

Automatisierung in der Landwirtschaft wird zum Muss!

Es konnte nun noch mehr Land in noch kürzerer Zeit bearbeitet werden. Selbstverständlich führte dies zu Überproduktion (Butterberg) und Ertragsminderung (Milchpreisverfall). Um aus dieser Spirale herauszukommen muss noch mehr Land mit noch weniger Personal bewirtschaftet werden.

Heute gibt es nur noch wenige landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe in Berndorf und es ist nur eine Frage der Zeit bis der nächste Betrieb aufgeben wird. Die Anzahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft wird weiter zurückgehen.

Durch die immer größer und schneller werdenen Traktoren (50  bis 60 km/h) ist es möglich geworden, die Erzeugnisse über weitere Strecken zuDarmstadt_Trecker_mit_2_Haengerr Verarbeitung zu bringen.

 

 

Letzteres ist auch deswegen notwendig geworden, da die verarbeitenden Betriebe (z.B. Molkereien) selbst immer größer und immer weniger geworden sind. Einst gab es eine Molkerei in Mühlhausen, dann lange in Sachsenhausen und wo geht die Milch jetzt hin?? In der Landwirtschaft sind heute viele Wege sehr viel länger geworden. Durch die schritthaltende Fahrzeugtechnik ist dies jedoch zu meistern.

Effizienzsteigerung ist geboten

Einen interessanten Bericht zur effektiven Landwirtschaft finden Sie hier (SWR/Odysso).

Bei dieser Entwicklung bleibt unberücksichtigt, dass durch erhöhte Transportleistungen (gemessen in sogenannten Tonnenkilometern) auch unsere Straßen stärker belastet werden. Die Kosten hierfür übernimmt die Allgemeinheit. Wir stellen fest, dass es (zu bestimmten Zeiten) recht  viele landwirtschaftliche Transporte gibt, die durch Berndorf einfach nur hindurch fahren. Es werden keine Güter von oder für Berndorfer Betriebe transportiert.

Schnelltraktoren sorgen für übermäßige Lautstärke

Schlussendlich stellen wir fest, dass landwirtschaftliche Arbeitsmaschinen eigentlich nicht für schnelle Transporte konstruiert wurden sondern vielmehr für die Arbeit auf dem Acker. Schnelle Transporte sind dennoch möglich. Leider werden diese Fahrzeuge bei hohen Geschwindigkeit sehr laut. Das Walken der Reifen sowie Windgeräusche bei einem FahrzeuSchnelltraktor_60g mit sehr schlechtem cw-Wert übertönen oft sogar den Lärm von schweren LKWs. Vielleicht sind die Traktorgespanne sogar schwerer als beladene LKWs, denn in der Landwirtschaft wird selten mittels Waage verladen.

Wir wollen uns nicht vorstellen, was passieren kann, wenn ein solches Gefährt mit Häusern oder sogar mit Menschen kollidieren sollte.

LKWs unterliegen dem Sonntagsfahrverbot. LKWs dürfen nachts nicht über die B252 fahren. Wie sieht es aus bei den oftmals noch lauteren landwirtschaftlichen Gefährten?

Landwirtschaft dient nicht mehr ausschließlich der Nahrungsmittelproduktion

Die Landwirtschaft diente früher fast ausschließlich der Nahrungsmittelproduktion. Heute wird ein stetig größer werdender Anteil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse anderen Zielen zugeführt. Hier sei z.B. die Biogas-Produktion aus Mais oder die Produktion von Bio-Diesel oder Benzin E10 erwähnt. Trotz abnehmenden Anbauflächen konnte (u.a. durch Effizienzsteigerung) eine Überproduktion bei Nahrungsmitteln erreicht werden. Viele Anbauflächen müssen allein schon deswegen zur Erzeugung nahrungsmittelfremder Produkte genutzt werden, andernfalls würden sie brach liegen. Eine Ortsumfahrung gefährdet also in keinster Weise die Nahrungsversorgung.

Veränderungen bei landwirtschaftlichen Anbauflächen

Eine wissenschaftliche Untersuchung aus den Niederlanden zeigt die Entwicklung der Landwirtschaft bzw. der landwirtschaftlichen Anbauflächen in Europa in den letzten 100 Jahren auf. Man beachte, dass die Waldflächen stark zugenommen haben, während die Flächen für Ackerland abgenommen haben.

Und wie wird es weitergehen?

Die Automatisierung wird sich in immer mehr Bereichen durchsetzen. Bereits jetzt gibt es erste autonom agierende Arbeitsmaschinen, d.h. Trecker ohne (!) Fahrerkabine.

 

Über kurz oder lang wird der Landwirt seine komplette Technik vom Büro aus überwachen können. Der bäuerliche Familienbetrieb wird Geschichte sein. Ein landwirtschaftlicher Betrieb wird sich kaum noch von einem Industriebetrieb unterscheiden.

  • Es wird immer weniger Arbeitsplätze geben in der Landwirtschaft.
  • Die wenigen verbleibenden Betriebe werden sehr große Flächen bewirtschaften können (wegen der Automatisierung) und auch müssen (aus wirtschaftlichen Gründen).
  • Die Wege werden länger, was wiederum zu viel mehr Verkehr führen wird.
Fazit für Berndorf:

Da auch die Landwirtschaft die B252 immer weitgehender nutzt und so zum Anstieg des Verkehrsaufkommens beiträgt, sehen wir die Landwirtschaft auch in der Pflicht zur Entlastung beizutragen. Auch landwirtschaftliche Transporte sollten nicht mitten durch das Dorf brausen müssen. Schnelle Fahrzeuge, die nicht Berndorf als Be- oder Entladeort haben, müssen außen herum über eine Ortsumfahrung geführt werden.

last revised: 2017-03-22

Berndorf ohne Autobahn